Naturschutz
 
 

Vorkommen des invasiven Marmorkrebses (Procambarus fallax f. virginalis)
im Singliser See

 
Im September 2011 wurden von einem Naturfreund und Angler, Herrn Christian Gertje, im nordhessischen Singliser See viele Exemplare einer Flusskrebsart gesichtet, die er nach Bestimmungshilfen im Internet als Marmorkrebs (Procambarus sp.) identifizierte.



Um Belegfotos gebeten, gelang es Herrn Gertje Tage später ohne große Mühe, einige davon mit dem Kescher (!) zu fangen. Nach den Fotos konnte Rainer Hennings, VHF-Referent Naturschutz, die Bestimmung als Marmorkrebs zweifelsfrei bestätigen.
Der Marmorkrebs ist eine nordamerikanische, Mitte der 90er Jahre durch den deutschen Aquarienhandel eingeführte Flusskrebsart, die als Überträger von Aphanomyces astaci, dem Erreger der Krebspest, bekannt ist. Aufgrund der Fortpflanzung durch Jungfernzeugung ohne Befruchtung durch männliche Samenzellen (Parthenogen mit alle 2-3 Monate bis zu 200 Eiern je Weibchen (männliche Tiere der Art sind nicht bekannt), der hohen Anpassungsfähigkeit und der Winterhärte wird dem Marmorkrebs in der Literatur sehr hohes Invasionspotential zugeschrieben. Über die Lebensweise im Freiland ist noch wenig bekannt. Es gibt aber deutliche Hinweise, dass der Marmorkrebs bei hohen Bestandsdichten in der Lage ist, das Gewässerökosystem ähnlich nachhaltig zu zerstören, wie der Amerikanische Sumpfkrebs Procambarus clarkii.
Der Erstnachweis für Hessen gelang Rainer Hennings 2008 in einem Fließgewässer im Weichbild von Frankfurt, der alarmierende Nachweis im Singliser See ist erst der zweite und der erste aus einem Stehgewässer. Der Bestand hat augenscheinlich schon eine hohe Dichte erreicht (leichte Fänge tagsüber). Es besteht die Besorgnis, dass die durchaus landgängige Art bereits die Schwalm und benachbarte Stehgewässer erreicht haben könnte, bzw. demnächst erreichen wird und dort auch auf heimische Bestände trifft.

Dies war Grund genug, am 19.10.2011 die umliegenden Vereine und die zuständigen Behörden zu einer Informationsveranstaltung in das Vereinsheim des ASV Singlis einzuladen.
Nach einer allgemeinen Information zu unseren heimischen Flusskrebsarten, den eingeführten und invasiven Krebsen, sowie zum Flusskrebsprojekt des VHF bot sich die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch.
Die Anwesenden waren sich darüber einig, dass nur ein gemeinsames Vorgehen in Frage kommt:
Im Frühjahr 2012 sollen nunmehr Reusen im Singliser See und den umliegenden Gewässern ausgelegt werden, um zu sehen, wie hoch der Bestand und die Verbreitung des Marmorkrebses in Nordhessen tatsächlich ist. Der Verband Hessischer Fischer wird hierzu nach Einholung der notwendigen amtlichen Genehmigung den "Startschuss" in Form eines Anschreibens mit allen nötigen Infos geben. Darüber hinaus ist Rainer Hennings bereit, das Auslegen der Reusen zu begleiten und die Auswertung durchzuführen.

Nähere Informationen zum Flusskrebsprojekt des VHF finden Sie unter der Internetadresse www.krebse-in-hessen.de.

mb/rh

Foto: Christian Gertje